Kritik und Ideen zur Neuausrichtung: Schmuck-Woche_München

What’s Wrong?
Kritik und Ideen zur Neuausrichtung der Schmuck-Austellungswoche
in München

Christoph Ziegler & Loukia Richards

I. Was wollen die Aussteller, was wollen die Besucher?

In den vier internationalen Ausstellungsprojekten, die wir zur Schmuck-Austellungswoche präsentiert haben, haben wir mit mehr als achtzig international bekannten Schmuckkünstler*innen und Designern zusammengearbeitet und mit Kollegen und Besuchern, Sammlern, Journalisten und Galeristen gesprochen.
Wir haben die Kritik, Erwartungen und Wünsche aus über 1.000 Gesprächen in Stichpunkten notiert:

1. Wunsch nach hoher Qualität und niveauvollen und inhaltlich konzipierten Ausstellungen – von den Teilnehmern wie den Besuchern.

2. Stärkeres Networking und mehr inhaltliche Vermittlung – neben den Events auch Vorträge, Panels, Diskussionen über Markt, Vernetzung, Kommunikation und PR vom zeitgenössischem Schmuck.

3. Verstärkte Öffnung und Verbindung zum lokalen (Kunst-)Publikum durch lokales Networking und Kommunikation innerhalb des Kultursektors.

4. Breite, überregionale und stadtbezogene (deutschsprachige) Medienkommunikation/Unterstützung durch Kulturinstitutionen.

5. Spezifische internationale (englischsprachige) Pressearbeit, PR und Networking.

6. Informationen zu transparenteren Transaktionsbedingungen beim Verkauf: Informationen zur Rechnungsstellung. Beratung in Zoll- und Steuerfragen für internationale Teilnehmer.

7. Wunsch der Teilnehmenden nach nachhaltigeren Effekten durch die Teilnahme an der Schmuckausstelungswoche – sowohl für die eigene Vita als auch den praktischen Erfahrungsschatz.


II. Lösungsansätze

Wichtig unserer Ansicht nach ist ein lokal ausgerichtetes Forum, das parallel zur künstlerischen Qualität der Ausstellungswoche auch inhaltliche Information und Aktualität – d.h. konkret: Vorträge, Workshops, Gespräche und Austauschmöglichkeit – mit einem eindeutigen Bezug zur Stadt und Region anbietet und Beiträge zur Professionalisierung im Bereich Kunst/Schmuck offeriert. Dies würde insbesondere angehende Künstler*innen und Designer ansprechen, die den Besuch in München mit aktivem Lernen verbinden.

Eine engere Einbindung der lokalen Kulturinstitutionen (durch Kommunikation und institutionsübergrei-fende, themenspezifische Projekte) könnte ein grösseres lokales/regionales Publikum ansprechen und zugleich die Präsenz der Kulturstadt München zur Ausstellungswoche behaupten.

Ein starke Kommunikation im Vorfeld durch die lokalen und (über)regionale Medien, durch Kunstzeit-schriften, Stadtmagazine – und durch Medienpräsenz (Deutsch/Englisch) in internationalen Online-Netzwerken, die den lokalen Designdiskurs mit einbindet, wird die Aufmerksamkeit auf die Schmuckstadt München beleben.


III. Unser erster Schritt zur Schmuck-Ausstellungswoche München 2019:

Nach insgesamt zehn Ausstellungsprojekten, von denen wir seit 2015 vier in München kuratiert haben, planen wir derzeit für 2019 einzweiteiliges Ausstellungsprojekt, das sich zusammensetzt aus

1. einem Symposium in Athen, das zur Vorbereitung, inhaltlichen und praktischen Annäherung an die Ausstellungswoche in München dient, und

2. einer Gruppenausstellung mit internationalen Teilnehmer*innen in München, welche zugleich auch ein Forum für verschiedene Beiträge und einen professionellen Diskurs sein soll.

TEIL I: “Inkubator”

Symposium bzw. kreativer Workshop in Athen, der zur inhaltlichen, künstlerischen und praktischen Vorbereitung auf die Ausstellungswoche in München dient

Das Symposium mit dem Titel “Inkubator” wird über Themen informieren, die im Studium oder an Kunst/Design-Schulen nicht unterrichtet werden.

Neben einem konkreten Lehrangebot zu Markt/Ökonomie/Selbstfinanzierung und Intellectual Property/Copyright für Künstler*innen, Kommunikation und Networking im Hinblick auf München, bietet das Symposium kreative Workshops und Führungen, die zugleich einen kulturellen Blick auf Athen und deren Beziehung zu München werfen.

Wir wollen die kulturellen und historischen Gemeinsamkeiten von München – dem “Athen an der Isar” – und (dem originalen) Athen als Inspiration für die Ausstellung in München nutzen.

TEIL II: “They Call Me Nobody!”

Gruppenausstellung und zugleich Forum für einen professionellen Diskurs mit internationalen Besetzung 2019 in München.

“They Call Me Nobody!” lautet die – ins Englische übertragene – Antwort des Odysseus auf die erregte Frage des Zyklopen nach dem Namen des Widersachers, der ihn mit geblendetem Auge zurücklässt. Mit diesem Zitat aus dem homerischen Epos stellen wir die grundsätzliche Frage nach der künstlerischen Identität im Kontext von Markt und Selbstvermarktung, nach Selbst-Mythologisierung und nach nachhaltigen Möglichkeiten, eine eigene und unabhängige Arbeitsweise aufzubauen.

Ziel dieser Ausstellung ist es, zugleich einen konzeptuellen Rahmen sowie die konkrete Inspiration durch einen Ort bzw. dessen historischer “Genius” erkennbar werden zu lassen. Die Erfahrungen vor Ort (in Athen) und das Know-How des Symposiums fliessen in die Ausstellungskonzeption mit ein.

Die starke Tradition der griechischen Schmuckkunst, deren Spuren bis weit in die Antike zurückdatieren und die in den außergewöhnlichen Sammlungen in Athen zu studieren ist, bietet den Anlass, eine Brücke zur Ausstellungswoche in München zu bauen.

grafk-muenchen

Die historischen Querverbindung zwischen München und Athen, initiiert durch das Bayerische Königshaus, spiegelt sich am offensichtlichsten in Philosophie, Kunst, Architektur und Urbanismus wider. Die Spuren dieser Rückbesinnung auf die Antike sind nach wie vor augenfällig.

Mehr Informationen zum Inkubator in den nächsten Tagen.

Advertisements