Loukia Richards: “Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht Politik”.

Photo:”Puma”, Loukia Richards. 2016. Credit: Christoph Ziegler.

Durch seine Tragbarkeit ist Schmuck ideal, um Botschaften in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Für mich als Künstlerin ist Schmuck nicht nur ein Medium, um Emotionen und Erinnerungen im Hinblick auf die Traditionen meines Mutterlandes Griechenland zu reflektieren, sondern auch ein geeignetes Kommunikationsmittel, um Inhalte zu vermitteln.03_Puma.JPG

Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht Politik. Polis – die Stadt – und Politik – die Pflicht aller Bürger, sie aktiv zu gestalten, verwalten und verteidigen – sind Begriffe, um die sich mein Denken und Schaffen drehen. Ohne Beteiligung des Individuums gibt es keine Demokratie, gibt es keinen erstrebenswerten Sinn im öffentlichen Leben. Subversion und Ironie sind ein wichtiger Bestandteil meiner Praxis als Schmuckkünstlerin.

Im Halsschmuck „The party is over“ (2015) illustriere ich Jean Claude Juncker’s Kommentar über die politische und finanzielle Pleite Griechenlands. Der Brustschmuck „Je suis Charlie!“ ist aus Protest gegen die Terrorattacken in Paris entstanden und betont die Einmaligkeit des Lebens, die Vielfältigkeit der Persönlichkeit und die europäische Kultur der Toleranz.

Mit „Tara“ und „Mr. Coke“ aus der Serie „IDs“ (2015) stelle ich mir die Frage, was das Minimum ist, das man benötigt, um mit Schmuck eine Identität zu schaffen. Die „IDs“ sind zugleich ein Kommentar auf die europäische Flüchtlingskrise und auf das Thema Sicherheit, Überwachung und Identität in Europa.
Die Tradition der Ikonen und die Reflexion des „Göttlichen im menschlichen Antlitz“, die in der orthodoxen christlichen Kirche eine zentrale ideologische und ästhetische Rolle spielt, hat meine beiden Arbeiten „Saint“ und „Illuminated“ (2016)  beeinflusst.

Aus existentieller Not nach der Pleite Griechenlands habe ich die „Arte Povera“ und die handwerkliche Tradition meiner Heimat wiederentdeckt. Das Alte, Abgetragene, Weggeworfene spiegelt in meiner Arbeit nicht nur den gegenwärtigen Trend von Upcycling wieder; es ist für mich das treffende Mittel, um über die „Nouveaux Pauvres“ in Griechenland zu sprechen, die ihren Familienschmuck in Pfandhäusern liquidieren und den verlorenen Glanz mit billigen Kopien ersetzen – „Puma“ (2016).

Was mich am meisten an der griechischen Tradition berührt, ist die Offenheit, die Phantasie und der Mut, Elemente aus anderen Kulturen zu übernehmen – darunter die persische, osmanische, armenische – und sie schöpferisch in die eigene Arbeit zu integrieren.

In meiner Arbeit als Schmuckkünstlerin verwende ich Techniken, die aus dem Bereich Textil, Recycling, Collage kommen. Ich arbeite mit Web-, Näh, Strick- und Sticktechniken, die den griechischen Goldschmieden seit Jahrhunderten bekannt sind. Statt Goldfasern verwende ich simple Materialien und „reanimiere“ die Tradition in einem neuen Kontext.

 

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